Mitte der Neunziger Jahre gab es einen bundesweiten Wettbewerb zur Förderung von biotechnologischen Standorten. Die Universitätsstadt Giessen hatte sich damals auch beworben, Chancen hatte sie leider keine. Das muss der Ursprung des Gründerzentrums in Giessen gewesen sein. Das Gelände der ehemaligen deutschen Steuben Kaserne dient nun bis heute als Standort einiger Firmen, allerdings nicht nur aus dem Biotechbereich. Die Labor- und Büroräume befinden sich in einem zweistöckigem Backsteingebäude. Aus der Ferne betrachtet ist das Gebäude ganz schön, jedoch gibt es einige Nachteile, in der Kerkrader Straße 11, dem heutigen Europaviertel, wie schon der Straßenname andeutet. Von September 1998 bis November 2010 haben wir unser Labor und Büro in der Kerkrader Str. 11 betrieben. Im November 2010 sind wir dann an unsere heutige Adresse in Göttingen umgezogen. Im folgenden können Sie einen kurzen Erfahrungsbericht aus der oben genannten Zeit lesen. Bitte informieren Sie sich bei der Leitung des Gründerzentrums nach den heutigen Bedingungen. Zur weiteren Entwicklung nach 2010 kann ich keine Angaben mehr machen. Hier gesagtes bezieht sich ausschliesslich auf das Gebäude der Kerkrader Str. 11, das ganze Zentrum erfasst deutlich mehr Gebäude mit unterschiedlicher Ausstattung, bitte informieren Sie sich bei der TIG.
Vorteile:
- da das Gebäude außerhalb der Stadt Giessen liegt, ist fast immer ausreichend Parkplatz vorhanden. Dieser Parkplatz ist kostenlos. Das ist gut für Kunden und Mitarbeiter.
- Mit dem Wissen über das Götec in Göttingen, auch eine Art Gründerzentrum, indem bj-diagnostik jetzt tätig ist, kann ich sagen, dass das Gebäude in Giessen deutlich angenehmer zum Arbeiten war. Das Göttinger Gebäude ist deutlich älter als das Giessener, dunkle Flure, so gut wie kein Mobiltelefonempfang und auch DSL Verbindungen der Telekom sind nicht zu bekommen, für ein Gründerzentrum schon eigenartig.
Folgende Nachteile haben wir damals in Giessen in der Kerkrader Str. 11 von 1998 bis 2010 erlebt:
- kein Aufzug, gut das wußten wir vorher, für ein biotechnologisches Unternehmen wie unseres stellte sich aber im Laufe der letzten 11 Jahre heraus, das manchmal übermenschliche Kräfte vonnöten sind, um Geräte die Treppe hinaufzutragen.
- keine Außenjalousien, im Zeichen immer wärmer werdender Sommer ist es schade, dass die Vermieterin bis 2010 keine Maßnahmen ergriffen hat, um die Sonneneinstrahlung durch die Fenster zu reduzieren. Durch die Infraroteinstrahlung der Sonne durch die Fenster steigen die Temperaturen in den Räumen manchmal über 30° Celsius. Durch eine entsprechende Investition ließe sich dies aber schnell ändern, man kann dem Gründerzentrum nur dazu raten, es würde die Attraktivität des Standorts deutlich erhöhen.
- In den ersten 3 Monaten unserer Tätigkeit von September bis November 1998 hatten wir keinen Telefonanschluß, obwohl uns ein Anschluß an die Telefonanlage des Gründerzentrum (damals von der Biotechnologie Initiative Mittelhessen [BIM GmbH] verwaltet) versprochen wurde. Statt dessen mußten wir einen öffentlichen Münzfernsprecher, 250 Meter von unserem Gebäude entfernt, benutzen. Wir hätten damals gleich einen Telefonanschluß bei einem freien Anbieter bestellen sollen. Einige Jahre nach unserem Einzug wurde durch Umstrukturierungen beim damaligen Gründerzentrum die Telefonanlage des Zentrums stillgelegt, wir mussten uns einen neuen Anschluß besorgen und alle Telefonnummern in unseren Unterlagen ändern. Das war viel Arbeit.
- Einen DSL Anschluß, den gab es in den ersten drei Jahren überhaupt nicht. Ins Internet ging es nur per ISDN, also im Schneckentempo und auch noch ziemlich teuer. Angeblich gab es damals nur Glasfaserleitungen, mit denen eine ADSL Anbindung nicht möglich war. Vielleicht erinnern Sie sich noch. Mit Glasfaserverkabelungen in ganz Deutschland sollte ein ganz modernes Netz geschaffen werden - aber was ist daraus geworden? Glasfaser war so modern, dass es keine Schaltanlagen gab, um das schnelle Internet in die Geschäftsräume der Kerkrader Str. 11 zu bringen. Zum Glück ist dies heute deutlich besser.
- Im Rahmen unseres Auszuges aus der Kerkrader Str. 11 im November 2010 wurden wir von der Vermieterin genötigt alle die von uns verlegten CAT-5 Netzwerkabel zu entfernen. Über viele Jahre hatten wir in mühevoller Arbeit hunderte Meter Kabel vom Keller in unsere Räume und unter unseren Räumen verlegt. Der Vermieter hatte sich auch beklagt wir hätten ja Löcher gebohrt - nun, wie sollte man das sonst machen, wenn es überhaupt keine Infrastruktur einer strukturierte Verkabelung gibt? Auch das Gründerzentrum in Göttingen (Götec, Hannah-Vogt. Str. 1) ist in dieser Art und Weise gestrickt. Der Vermieter bietet also nichts anderes als einen Bastelkit, womit gemeint ist, der Mieter soll mal selbst basteln. In solchen sogenannten Gründerzentren ist man aber gut aufgehoben, wenn man kein Internet möchte und auch Computer nicht mag, auch das gibt es. Das Durchschneiden von CAT-5 Kabeln hat tiefe seelische Wunden hinterlassen, ob der Nachmieter diese Kabel vielleicht gerne übernommen hätte, im Notfall kann er ja wieder Löcher bohren und der Zyklus beginnt erneut.
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