Recht auf Kenntnis der Abstammung durch einen naturwissenschaftlichen Vaterschaftstest

Das Kindchen-Schema – Stupsnase, große Augen, hohe Stirn – erzeugt bei den meisten Erwachsenen eine grosse Sympathie zu einem Baby. In den 90er Jahren haben Forscher von der University of California in San Diego herausgefunden, dass Babys in ihrem ersten Lebensjahr in den meisten Fällen dem Vater ähnlicher sehen als der Mutter. Dies ist evolutionsbiologisch wichtig, da der Vater im höheren Maße bereit ist für sein Kind zu sorgen und Unterhalt zu zahlen, je größer die Ähnlichkeit zwischen dem Nachwuchs und ihm empfunden wird. Dieses Verhalten kann dadurch erklärt werden, das der Vater bestrebt ist seinen eigenen Nachwuchs zu unterstützen und nicht Kuckuckskinder, die von anderen Männern gezeugt wurden. Vor drei Jahren fanden Frank Marlowe und Coren Apicella von der Harvard University in Cambridge, USA, heraus, Männer, die von der Mutter des Kindes getrennt leben und Unterhalt zahlen, führen diese Aufgabe bereitwilliger aus, um so mehr das Kind ihnen ähnelt. Diese Entwicklungen zeigen, dass biologische und psychologische Tendenzen eine große Rolle für alle Beteiligten spielen, wenn es um die Frage geht, ob ein Mann eine Vaterschaft anerkennen oder durch einen Vaterschaftstest prüfen lassen sollte.

Nach dem neuen Kindschaftstrecht müssen die Betroffenen einem Vaterschaftstest zustimmen, wenn eine der Parteien einen Test machen möchte. Bisher war es oft so, dass die Mutter den Abstammungstest ohne Konsequenzen verweigern konnte. Dies hat sich nun geändert. Wenn die Mutter dem Test nicht zustimmt, kann diese Verweigerung durch einen Gerichtsbeschluß ersetzt werden. Ein solcher Vaterschaftstest ohne die Mutter wird dann vom Gericht anerkannt. Die Beteiligten in der Diskussion um eine echte Vaterschaft befinden sich zwischen informationeller Selbstbestimmung und dem Recht auf Kenntnis der Abstammung. Mit dieser neuen Regelung wird die Kenntnis der biologischen Abstammung gestärkt. Nach der alten Regelung war es dem Zahlvater nicht erlaubt sein Wissen der biologischen Abstammung zu verwerten, wenn die Mutter dem Vaterschaftstest nicht zugestimmt hatte. Nun ist es so, daß der mögliche Vater einen Anspruch gegen die Mutter hat einen naturwissenschaftlichen Vaterschaftstest ausführen zu lassen.

In der Vergangenheit konnte eine Vaterschaft nur angefochten werden, wenn ein Anfangsverdacht vorlag. Dies war zum Beispiel der Fall, wenn die Frau ihrem Mann einen Seitensprung oder eine Affäre gestanden hatte. Das Recht auf Kenntnis der Abstammung wird durch den Entwurf der Justizministerin bekräftigt. Laut ihr sollte sich keiner der Beteiligten – Vater, Mutter, Kind – den Untersuchungen und den damit verbundenen Entnahmen der DNA-Proben entziehen dürfen. Damit wird der Fokus auf die biologische Abstammung gelenkt und das Recht der Männer gestärkt. Man kann sich nur fragen, warum die alte, anachronistische Regelung, überhaupt so lange in Kraft sein konnte. Es ist kaum vorstellbar, welcher gutartige Effekt sich einstellen solle, wenn den Beteiligten die wahre biologische Abstammung vorenthalten wird oder Ihnen das Recht auf Kenntnis der Abstammung verweigert wird.

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