Vaterschaftstest: Vor der Geburt möglich?

Während einer Schwangerschaft kann die Unsicherheit über die biologische Vaterschaft eines Kindes sehr belastend sein. Pränatale Vaterschaftstest könnten hierbei theoretisch Abhilfe schaffen, sind aber spätestens seit Inkrafttretens des Gendiagnostikgesetzes im Februar 2010 in Deutschland verboten. Auf vielen Informationsseiten, Foren und Websites im Internet wird der Vaterschaftstest vor der Geburt aber immer noch – fälschlicherweise – als legale Option diskutiert.

Vaterschaftstest während der Schwangerschaft vor der Geburt

Rein wissenschaftlich kann die biologische Vaterschaft eines Kindes anhand einer Fruchtwasserprobe des Kindes sowie anhand von Mundschleimhautproben des Vaters und der Mutter festgestellt werden. Eine Fruchtwasserentnahme stellt jedoch ein medizinisches Risiko dar und wurde daher in der Vergangenheit von der Mehrzahl der Ärzte für die Zwecke einer Feststellung der Vaterschaft abgelehnt, es sei denn es lagen besondere Härtefälle vor, wie zum Beispiel eine Vergewaltigung.

Ein Vaterschaftstest wurde nur dann durchgeführt, wenn eine Fruchtwasserprobe auch aufgrund anderer medizinischer Indikationen (zum Beispiel Risikoschwangerschaft, Trisomie 21) vorgenommen wurde und diese dann zusätzlich für die DNA-Analyse verwendet werden konnte.

Verbot pränataler Vaterschaftstests durch das Gendiagnostikgesetz

Das zum 1. Februar 2010 in Kraft getretene Gendiagnostikgesetz hat eine klare gesetzliche Regelung für Vaterschaftstests während der Schwangerschaft getroffen und diese untersagt, es sei denn, die Schwangerschaft steht in Zusammenhang mit einer Straftat an der Mutter. In diesen Fällen gibt die Staatsanwaltschaft in Zusammenarbeit mit einem Mediziner den Vaterschaftstest vor der Geburt in Auftrag, sofern die Mutter dies wünscht.

Vaterschaftstest direkt nach der Geburt

Im Gegensatz zu den vormals üblichen Blutgruppenuntersuchungen ist ein DNA-Vaterschaftstest unmittelbar nach der Geburt möglich. Die Blutgruppe oder andere Blutenzymsysteme lassen sich bei einem Kind erst nach einigen Lebensmonaten zuverlässig bestimmen, wenn sich das Enzymsystem voll entwickelt hat. Eine DNA-Probe des Neugeborenen liefert dagegen zweifelsfreie und zuverlässige Ergebnisse, so dass eine Vaterschaft mit einer Wahrscheinlichkeit von 100% ausgeschlossen oder zu über 99,99% bestätigt werden kann. Auch eine Blutentnahme beim Neugeborenen ist für die Durchführung eines DNA-Vaterschaftstests nicht notwendig. Es reicht der für Babies und Kleinkinder schmerzfreie Mundschleimhautabstrich.

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