DNA-Analyse in Straf- oder Zivilsachen

In den USA ist es schon seit mehr als 10 Jahren üblich DNA-Analysen der Polizeibehörden durch einen erfahrenen Naturwissenschaftler auf Verlässlichkeit überprüfen zu lassen, wenn die DNA-Messdaten in einem Verfahren vor Gericht benutzt werden. Der genetische Fingerabdruck ist nicht immer einfach zu messen oder zu interpretieren.

DNA-Mischspuren und Likelihood Quotient (englisch: Likelihood Ratio) der Tathypothesen

Besonders interessant sind Indizien, die sogenannten "DNA-Mischspuren". Die Interpretation solcher Spuren ist schwierig und mit allerlei Fallstricken behaftet. Es lohnt sich, diese Indizien in einem Strafprozeß durch einen unabhängigen Experten auf Belastbarkeit prüfen zu lassen. Mischspuren sind DNA-Profile von mehreren Personen, die überlagert sind. Für diesen Fall - und übrigens auch sonst - ist die Berechnung des Likelihood Ratio (Wahrscheinlichkeitsquotient) auf Basis des Bayesschen Theorems bedingter Wahrscheinlichkeiten die Methode der Wahl. Die Berechnung des Likelihood Quotients (wie die Methode in Deutschland bezeichnet wird) ist die einzige Methode, die wissenschaftlich begründet ist, um mit Hilfe einer Mischspur einen Beweiswert für bestimmte Tathypothesen zu erstellen. Mit keiner anderen Methode kann ein Zusammenhang zwischen Tatortspuren und einem oder mehreren Tatverdächtigten hergestellt werden.

In Deutschland wird jedoch oft nur die sogenannte Einschlußchance benutzt. Dieser Wert ist relativ einfach aus dem DNA-Profil einer Mischspur zu berechnen, enthält aber keinen Beweiswert im Sinne des Vergleichs der Tathypothesen der Anklage gegen die Tathypothesen der Verteidigung. Die LQ-Methode benötigt dann das DNA-Profil der Mischspur UND das oder die DNA-Profile der Verdächtigten. Die Methode der Einschlußchance benötigt NUR das DNA-Profil der Mischspur und auch keine Abschätzung der Zahl der Spurenleger; die DNA-Profile der Beschuldigten gehen überhaupt nicht in diese Betrachtung ein.

Schon dies alleine ist ein starkes Zeichen für die Schwäche dieser Methode. Wenn man in den Wissenschaften freiwillig bereits vorliegende, relevante Information ignoriert, ist dies sehr ungeschickt. Vorliegende Messdaten müssen vollständig verwendet werden. Ein Forscher ist immer schlecht beraten, wenn er die für die Interpretation zu verwendenden Messdaten selektiert, zum Beispiel um ein bestimmtes Ergebnis zu produzieren (gewollt oder ungewollt). Ein solches Vorgehen kann nicht als gute wissenschaftliche Praxis bezeichnet werden.

Beweiswert = Ergebnis der Berechnung des Likelihood Quotienten

Es ist anzunehmen, dass die Beurteilung, wie viel ein Beweis wert ist, vor Gericht ein zentrales Element ist. Mathematisch in Bezug auf eine Tat ist die Einschlußchance bei Mischspuren von keiner großen Bedeutung. Möglicherweise werden die "Allgemeinen Empfehlungen der Spurenkommission zur Bewertung von DNA-Mischspuren" regelmässig umgangen, indem statt eines Likelihood Quotienten lediglich eine Einschlußchance berechnet wird. Es ist zu vermuten, dass die Berechnung der Einschlußchance nur in Ausnahmefällen erfolgen sollte und dass sie nicht zur Regel werden sollte. Zentrales Element der Empfehlungen ist, dass man die LQ-Methode anwendet und die Einschlußchance nur berechnet, wenn es keine andere Möglichkeit gibt, quasi als eine "fall back" Lösung. Meiner Meinung nach müssten Urteilsbegründungen basierend auf DNA-Analysen bei Mischspuren auf ein stärkeres mathematisches Fundament gestellt werden. Es handelt sich nicht nur um ein juristisches Problem, sondern um ein gesellschaftliches.

Es ist schwer vorstellbar, dass die Autoren der "Allgemeinen Empfehlungen der Spurenkommission zur Bewertung von DNA-Mischspuren" gewollt haben, dass gerade die Likelihood Methode NICHT angewendet wird. Die LQ-Methode beschreibt ein konsistentes und logisches System, in dem sich Anklage und Verteidigung bewegen können. Von der Methode der Einschlußchance kann dies nicht behauptet werden, schon gar nicht bei komplexen Mischspuren mit mehr als 2 beteiligten Spurenlegern. Die mathematisch fundierte Argumentation ist vielleicht vor Gericht noch nicht etabliert. International betrachtet muss man feststellen, dass man es besser machen kann, denn die wissenschaftliche Gemeinde hat eine Reihe von Werkzeugen geschaffen, um auch die Likelihood Methode auf DNA-Mischspuren anzuwenden.

Warum ist das so?, muss man sich fragen. Selten wird über solche Fälle in der Presse berichtet. Verdächtige können aufgrund scheinbar belastender DNA-Analysen verurteilt werden und können hinter Gitter kommen. Die Öffentlichkeit nimmt davon selten Notiz.

Eine Mischspur kann durch DNA-Analyse ein DNA-Profil ergeben, welches aus der Überlagerung von Zellen mehrerer Personen entsteht. Wird ein Gegenstand von mehreren Personen benutzt, zum Beipiel das Lenkrad eines Autos, so können sich darauf Zellen von mehreren Personen befinden. Erstellt man aus einem Abrieb des Lenkrads ein DNA-Profil, ist es unmöglich aus dem Mischprofil die DNA-Profile der einzelnen Personen abzuleiten. Entsprechende Unsicherheiten lassen sich mathematisch konsequent und logisch nur über Wahrschenlichkeitsquotienten (LQ-Methode) beschreiben und nicht über pseudowissenschaftliche Einschlußchancen oder gar über die Betrachtung einzelner Allele. Sollten Sie statistische Daten über DNA-Analysen vor Gericht besitzen interessiere ich mich sehr dafür. Ich würde gerne wissen wie viele Gerichtsverfahren in Deutschland pro Jahr stattfinden, in denen DNA-Analysen vorgelegt werden. Dann interessiert mich mit welchen mathematischen Methoden die Interpretation von DNA-Profilen oder DNA-Mischprofilen vorgenommen wird. Für Ihre Hilfe wäre ich sehr dankbar.

Ich berate Rechtsanwälte bei Fragen zur DNA-Analyse des genetischen Fingerabdrucks im Bereich Zivil- oder Strafrecht.

Dr. rer. nat. Michael Jung (Diplom Chemiker, Physikalische Chemie), Tel: 0551 500 72 999

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