Ausbildung für Sachverständige beim Vaterschaftstest und DNA-Polizei Analysen

Absurde Qualifikationskriterien für DNA-Tester. Naturwissenschaftler unter Arztaufsicht?

DNA-Analyse eine Domäne der Naturwissenschaften

Dr. Michael Jung von bj-diagnostik GmbH aus Giessen unterstützt die Forderung von Prof. Peter M. Schneider von der Universität Köln nach einer fundierten Ausbildung von Sachverständigen in der DNA-Analyse. Die molekularbiologische DNA-Analyse im Rahmen polizeilicher Ermittlungen oder im Rahmen von Vaterschaftstests und Abstammungsgutachten, ist in den vergangenen 10 Jahren zu einer Standardmethode herangewachsen. Getrieben durch in diesem Bereich forschende Naturwissenschaftler, sind die einzelnen Labor und mathematischen Methoden stark entwickelt worden. Doch noch immer tummeln sich in diesem Bereich eine Reihe von Personen mit nicht klar definierter Ausbildung. Insbesondere Mediziner, die möglicherweise keine ausreichende naturwissenschaftliche Bildung in ihrem Studium erworben haben, erheben den Anspruch auf dem Gebiet der DNA-Analyse zu arbeiten und versuchen zudem den Zugang von Naturwissenschaftlern zum Sachverständigenwesen zu blockieren. So kann das nicht weiter gehen.

Aufbaustudium forensische Molekularbiologie mit mathematischem Schwerpunkt

Deshalb plädiert Dr. Michael Jung für die Einrichtung eines Aufbaustudiums für forensische Molekularbiologie in Deutschland. Den Zugang für ein solches Aufbaustudium sollen Mediziner und Naturwissenschaftler gleichermaßen erhalten. Ein Studiengang muss nach Meinung von Dr. Jung auf englisch angeboten werden, denn ein internationaler Austausch von Studenten wie Lehrkräften ist nötig, schon alleine deswegen, weil es im deutschen Sprachraum zu wenige Experten für die DNA-Analyse und vor allem zu wenige Spezialisten für die mathematischen Methoden gibt, die für die quantitative Auswertung von DNA-Ergebnissen notwendig sind. So müsste zum Beispiel jeder Sachverständige in der Lage sein, mathematische Formeln abzuleiten und anzuwenden. Hierbei geht es nicht nur um triviale Abstammungsgutachten, sondern insbesondere um die mathematische Argumentation eines DNA-Beweises vor Gericht. Auch ist die DNA-Analyse kein deutsches Thema, sondern ein internationales und insbesondere ein europäisches. In Zukunft werden die Europäer DNA-Profile aus ihren nationalen Datenbanken auch den anderen Nationen zur Verfügung stellen. Schon aus diesem Grunde sollte man sich für englisch entscheiden, denn wer glaubt, in entsprechenden Behörden, wie den Ausländerbehörden würde man zumindest ein gutes englisch sprechen, der irrt regelmäßig. Pannen aufgrund von Kommunikationsproblemen dürfen nicht entstehen.

Mathematik für Chemiker an der Justus-Liebig-Universität zu Giessen

Der Grund ist zum einen die mathematische Ausbildung, selbst in den Naturwissenschaften, die je nach Fach, zu kurz kommt. Dr. Jung erinnert sich an seine Mathematikkurse im Fach Chemie an der Justus-Liebig-Universität zu Gießen. Die Mathematikvorlesungen und vor allem die Klausuren waren Pflicht für Chemiker. Der zweisemestrige, intensive Mathematikkurs nannte sich aber: Höhere Mathematik für Biologen und Chemiker. Dr. Jung (Diplom Chemiker) erinnert sich ganz genau, dass es in diesem Kurs nur einen einzigen Biologen gab, denn für Biologen war dies ein Wahlkurs und keine Pflichtveranstaltung. Zur Erinnerung, Pflichtveranstaltung bedeutet, dass man eine Prüfung bestehen muss. Besteht man so eine Prüfung nicht (also Klausuren), dann kann man sein Studium nicht fortsetzen. Welche Art von Mathematikausbildung im Medizinstudium Pflicht ist, entzieht sich der Kenntnis von Dr. Jung. Mann kann nur vermuten, dass die Mathematikausbildung insbesondere bei Biologen und Medizinern nicht ausreichend ist, um komplexe, forensische Fragestellungen, die durch Mathematik zu lösen sind, zu beantworten. Deshalb muss bei einem Aufbaustudiengang „forensische Molekularbiologie“ ein erheblicher Teil der Ausbildung auf mathematische Methoden gelegt werden. Wer diesen Teil dann nicht besteht, der kann dann auch kein Sachverständiger für DNA-Analysen bei Abstammungsgutachten oder Polizei DNA-Analysen werden. Sicher ist es nicht gewollt, dass jemand verurteilt wird, nur weil sich ein Sachverständiger verrechnet hat und es dann auch sonst keiner merkt.

Es ist z.B. eine Standardaufgabe zu berechnen mit welcher Wahrscheinlichkeit bei einem DNA-Mischprofil das DNA-Profil eines Verdächtigten in einem Mischprofil vorkommt. Dies ist keine triviale Aufgabe und nur mit einer fundierten mathematischen Ausbildung kann man diese korrekt lösen! Eine solche Fragestellung kommt regelmäßig bei Vergewaltigungsfällen vor, wenn die DNA-Analyse überlagerte DNA-Profile von zwei Personen zeigt, z.B. wenn Zellen von einer Frau und Zellen eines Mannes in einer untersuchten Probe vorliegen. Die mathematische Fragestellung wird noch einmal komplexer, wenn mehr als 2 DNA-Profile überlagert sind. Nach Dr. Jungs Meinung kann die mathematisch korrekte Behandlung einer solchen komplexen Situation nur in einem Aufbaustudium vernünftig und unabhängig vermittelt werden. Leider verfallen selbst Naturwissenschaftler, wie Prof. Schneider, auf die polemische Schiene, wenn immer wieder nur die sogenannten Billiganbieter für DNA-Analysen in entsprechenden Pressemeldungen angeprangert werden, indem man diese pauschal beschuldigt, sie machen schlechte Arbeit.

Das Phantom von Heilbronn, Irrwege der DNA-Analyse

Für den größten Skandal im Bereich DNA-Analyse hat im Frühjahr 2009 ein staatliches Polizeilabor aus Baden Württemberg gesorgt und nicht ein privat geführtes DNA-Labor. Jahrelang wurden möglicherweise bereits vor der DNA-Analyse kontaminierte Wattestäbchen für die Spurensicherung an Tatorten benutzt, ohne das dies zunächst auffiel. Die daraus resultierenden, falschen DNA-Analysen führten zur Story des „Phantoms von Heilbronn“, einer Täterin, die angeblich an vielen Tatorten zugegen gewesen sein soll, denn die auf die jeweilige Spurensicherung folgende DNA-Analyse zeigte immer wieder das gleiche DNA-Profil von einer Frau. Die Ursache waren aber möglicherweise bereits vor der Spurensicherung kontaminierte Wattestäbchen. Über das Thema wurde in allen Medien öffentlich berichtet und alle konnten erleben, welche Bedeutung die DNA-Analyse für unsere Gesellschaft hat. Wir dürfen damit nicht zu leichtfertig umgehen.

Aber auch bei der Geißelung von sogenannten Billiganbietern sollte man nicht die Fakten verbiegen, wenn es ums Geld geht. Ein Vaterschaftstest kostet ca. 200 Euro auf dem noch freien Markt, der Staat selbst zahlt für eine DNA-Analyse bei den im Internet agierenden Firmen lediglich 15 Euro für die Erstellung eines DNA-Profils aus einem Wangenabstrich. Drei mal 15 Euro, das wären also 45 Euro für einen Vaterschaftstest von Proben von Vater Kind und Mutter. Mit einer solchen Entlohnung könnte kein einziges Labor für Vaterschaftstests existieren. Fragen Sie sich bitte einmal selbst, welche Qualität von einer DNA-Analyse zu erwarten ist, wenn diese nur 15 Euro kosten darf, denn mehr möchte der Staat dafür nicht bezahlen.

Dieser Fakt wird regelmäßig verschwiegen, wenn eine ganz bestimmte Lobby gegen die im Internet werbenden DNA-Analysefirmen kämpft. Das ist absolut unehrenhaft. Die Wogen aber können geglättet werden, wenn eine einheitliche Hochschulausbildung für den Bereich der „Forensischen Molekularbiologie“ geschaffen werden könnte. Auf die Forderung eines Arztvorbehaltes sollte dabei unbedingt für die weitere Diskussion verzichtet werden, es sei denn es geht gar nicht um die Qualität von DNA-Analysen.

So schlägt eine Lobbygruppe vor, dass die Ausbildung von Sachverständigen für DNA-Analysen von den bereits auf diesem Gebiet tätigen Personen ausgeführt werden soll und zwar nach dem Motto, wenn Du Dich zwei Jahre in meinem Labor buckelst, dann darfst Du Dich vielleicht auch einmal Sachverständiger nennen. Was ist das denn für ein System? Das muss sich ändern, indem eine unabhängige Stelle, wie eine Hochschule, mit der Ausbildung für DNA-Analysemethoden und Berechnungen beauftragt wird.

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