DNA-Analyse in der Praxis: Die napoleonischen Soldaten von Kassel

2008 wurde bei einem Neubauunterfangen auf dem Gelände der Universität Kassel eine große Anzahl menschlicher Skelette entdeckt. Anthropologische und molekulargenetische Untersuchungen (DNA-Analysen) an den Universitäten Kassel und Göttingen von 2009 bis 2013 zeigen, dass es sich um circa 400 Skelette von Männern handelt, die als napoleonische Soldaten 1813 in einem Lazarett in Kassel an Fieber verstorben sind. Zwischenzeitlich werden die Gebeine im Naturkundemuseum im Kasseler Ottoneum ausgestellt.
 
Molekulargenetische Methoden und die DNA-Analyse spielen bei der Aufklärung der historischen Umstände eine zentrale Rolle.

DNA-Analyse zur historischen Klärung der Todesursache

DNA-Analysen am Knochenmaterial der Gebeine konnten bereits für drei Skelette bestätigen, dass die Soldaten durch das sogenannte Schützengrabenfieber verstorben sind. Schützengrabenfieber, auch bekannt als Fünf-Tage-Fieber oder Wolhynisches Fieber, ist eine Infektionskrankheit, die durch Bakterien ausgelöst wird und zu Kopf- und Gliederschmerzen sowie zu Meningitis führt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts waren moderne Antibiotika zur Behandlung der Krankheit noch nicht verfügbar.
 
Forschungsergebnisse der Université de la Méditerranée in Marseille, die bereits 2005 im "Journal of Infectious Diseases" (193, 2005, 112) veröffentlicht wurden, zeigen dass die napoleonische Armee stark von den von Läusen übertragenden Infektionskrankheiten Schützengrabenfieber und Fleckfieber heimgesucht war. Beim Russland-Feldzug 1812 sollen fast 30% der Soldaten infiziert gewesen sein, was mit ein Grund für den Untergang der Armee gewesen sein könnte. Dies ergaben DNA-Untersuchungen der menschlichen Überreste eines litauischen Massengrabes von bis zu 3000 Soldaten aus dem Jahre 2001.
 
Untermauert wird diese Vermutung durch morphologische Anzeichen chronischer Infektionen (zum Beispiel Nasennebenhöhlenentzündungen) bei den in Kassel gefundenen Skeletten.

DNA-Analyse zur Klärung des Geschlechtes

Die Geschlechtsbestimmung erfolgt anthropologisch anhand typischer Ausbildungen und Eigenschaften der Beckenknochen sowie Schädelknochen und der Langknochen von Skeletten. Die so gewonnen Erkenntnisse können durch die DNA-Analyse der Geschlechtsmarker bestätigt werden:
 
  • XX = 2 X-Chromosome = weiblich
  • XY = 1 X-Chromosom, 1-Y-Chromosom = männlich
 
Die bisherigen Untersuchungen ergaben für fast alle Skelette eine männliche Geschlechtszuordnung. Nur ein Skelett ist weiblich. Es könnte sich um eine Krankenschwester oder um eine das Militär begleitende Marktfrau handeln.

DNA-Analyse zur Klärung der Herkunft

Bei der Klärung der historischen Herkunft der in Kassel verstorbenen Männer geht man ähnlich wie beim indirekten Vaterschaftstest vor und untersucht gonosomale Marker, die geschlechtsspezifisch vererbt werden. Die Y-Chromosomenprofile von Großvater/Vater/Sohn entsprechen sich (sofern keine Mutationen vorliegen). So kann man durch die Untersuchung des Y-Chromosoms von Sohn und Großvater ohne eine Probe des möglichen Vaters Erkenntnisse über den Verwandtschaftsgrad gewinnen.
 
In der historischen Forschung ist jedoch vielmehr relevant, dass verschiedene Ausprägungen dieser gonosomalen Marker, die über die väterliche Familienlinie Auskunft geben, in Europa unterschiedlich verteilt sind. So kann man anhand vorgefundener Ausprägungen bei untersuchten Personen Rückschlüsse über deren geographische Herkunft ziehen. Für die napoleonischen Soldaten aus Kassel hat man ermittelt, dass diese aus dem Gebiet der heutigen Niederlande, Belgiens und Luxembourgs stammten.
 
Das Kasseler Naturkundemuseum im Ottoneum zeigt zur Zeit zwei nach dem Schädel rekonstruierte napoleonische Soldaten. Die Ausstellung gibt Einblick in den Fund und die Rekonstruktion seines historischen Kontextes sowie in das damalige Leben der Menschen. Die Sonderausstellung ist noch bis zum 01.05.2014 für Besucher zu sehen.
 
Quellen:
Journal of Infectious Diseases" (193, 2005, 112)
naturkundemuseum-kassel.de/museum/sonderausstellung

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