Geschwistertest oder der indirekte Vaterschaftstest

Geschwistertest ist ein allgemeiner Begriff für einen indirekten Vaterschaftstest, wenn z.B. der mögliche Vater nicht getestet werden kann.

Moderne DNA-Analysen ermöglichen mehr als einen einfachen Vaterschaftstest

Die modernen Methoden der DNA-Analyse werden neben dem klassischen Vaterschaftstest mit Vater, Mutter und Kind auch für komplexere Verwandtschaftstests eingesetzt. So ist es möglich, auch ohne eine Probe des Vaters, zum Beispiel wenn dieser bereits verstorben ist, Abstammungsverhältnisse zu klären. Ein indirekter Vaterschaftstest, auch Geschwistertest genannt, kann zum Beispiel klären, ob Geschwister den gleichen Vater (oder die gleiche Mutter) haben. Dabei ist die Frage, ob zwei Geschwister Vollgeschwister sind oder Halbgeschwister leichter zu beantworten, als die Frage, ob die Geschwister Halbgeschwister sind oder nicht verwandt sind. Letzteres ist kaum zu beantworten, wenn nur zwei Geschwister für den Test zur Verfügung stehen.

Niedrige Kosten durch moderne Auswerteverfahren

Einfache Vaterschaftstests können heute zu niedrigen Kosten mit Standardmethoden durchgeführt werden und erreichen in der Regel Abstammungswahrscheinlichkeiten im Bereich von (95 – 99)%. Die komplexeren und kostenintensiveren Geschwistertests erfordern dagegen eine entsprechende Expertise, insbesondere in der mathematischen Berechnung der Abstammungswahrscheinlichkeiten, denn auch jeder Fall ist anders gelagert. „Wir errechnen für unsere Kunden auf Basis der individuellen Fragestellung und Probenverfügbarkeit im Vorfeld, welche Aussage im Bezug auf die Abstammungswahrscheinlichkeit wir für das zu prüfende Verwandtschaftsverhältnis erreichen können“, so Dr. Michael Jung, Geschäftsführer der auf komplexe DNA-Abstammungsanalysen spezialisierten bj-diagnostik GmbH. Ermöglicht wird dieser Service durch Simulationen mit betriebseigener Software. Im Anschluss kann der Kunde aufgrund der errechneten Erfolgsaussichten entscheiden, ob er den Verwandtschaftstest durchführen möchte.

Zwei Geschwister möchten erfahren, ob sie Voll- oder Halbgeschwister sind

Der einfachste Fall beim indirekten Vaterschaftstest liegt vor, wenn zwei Geschwister prüfen möchten, ob sie den gleichen Vater haben. Es steht zwar keine Probe des Vaters zur Verfügung, aber eine Probe seines Bruders oder seiner Schwester. Noch zuverlässiger wird die Analyse, wenn die Mutter in die DNA-Analyse einbezogen werden kann. In diesen Fällen können Wahrscheinlichkeiten von etwa 95% bei der Bestätigung der Vaterschaft oder Abstammungsfrage erreicht werden.

Der Verwandtschaftstest zwischen zwei Cousins oder zwei Cousinen oder Cousin und Cousine, wenn nur diese beiden getestet werden können, ist in der Regel nicht möglich

Komplizierter wird die Lösung eines Geschwistertests, wenn zum Beispiel Cousins klären möchten, ob sie tatsächlich Cousins oder etwa Halbgeschwister sind. Ohne weitere Proben können in diesen Fällen keine zuverlässigen Aussagen erzielt werden. Durch die Computersimulation kann jedoch vorab ermittelt werden, welche weiteren Verwandten in einen Geschwistertest einwilligen könnten, um ein aussagekräftiges Ergebnis zu erreichen.

Ausnahme zwei männliche Cousins deren Väter Brüder sind

Einfacher wird die Klärung, wenn die Cousins männlich sind, denn dann kann eine mögliche gemeinsame Abstammung über das Y-Chromosom, das nur in der männlichen Linie vererbt wird, geprüft werden – in diesem Fall müssen die Väter der beiden Cousins Brüder sein (beide männlichen Eltern haben denselben Vater). Ist eine der vier Personen weiblich, kann das Verfahren des Y-Chromosomentests nicht angewendet werden.

Nicht nur die väterliche Linie (Y-Chromosom) kann verfolgt werden, sondern auch die mütterliche Linie, eben über die DNA-Analyse der mtDNA (mitochondriale DNA)

In ähnlicher Weise kann die mitochondriale DNA, die Mütter sowohl auf männliche als auch weibliche Nachkommen vererben, dabei helfen, zu klären, ob zwei Geschwister die gleiche Mutter haben. Die mitochondriale DNA wird dabei von Großmutter zur Tochter und zur Enkelin vererbt und es lässt sich die maternale Linie verfolgen. Die mtDNA der Väter geht verloren und wird nicht auf die Nachkommen übertragen. Für jeden individuellen Fall müssen somit die passenden Analyse- und Berechnungsmethoden ermittelt werden.

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