Kinderkrankheiten und Impfmüdigkeit

Kinderkrankheiten und Impfmüdigkeit

Die oft als Kinderkrankheiten bezeichneten Masern, Mumps und Röteln sind nicht zu unterschätzen und dank Impfmüdigkeit wieder auf dem Vormarsch. Gerade im Erwachsenenalter können fehlende Impfungen große Risiken bedeuten, vor allem für schwangere Frauen bei fehlender Rötelnimpfung.

Schwangerschaft und Röteln

Bei Frauen im gebärfähigen Alter empfiehlt die Ständige Impfkommission des Robert-Koch-Institutes die zweimalige Rötelnimpfung. Frauen, die ihren Impfstatus nicht kennen, sollten die zweifache Rötelnimpfung im Abstand von 4 Wochen erfolgen. 

Erkrankt eine schwangere Frau an Röteln kann der Embryo oder Fetus geschädigt werden.  Diese treten bei 90% der Infektionen in den ersten acht Schwangerschaftswochen auf; in späteren Stadien der Schwangerschaft liegen sie noch immer bei 25 bis 35%.  Mögliche Risiken für das Ungeborene sind unter anderem Herz-, Seh- und Gehörschäden.  Bis zum vierten Schwangerschaftsmonat sind Aborte und Frühgeburten ein zusätzliche Gefahr.

MMR-Impfung als Kombinationsimpfung gegen Röteln, Masern und Mumps

Die Rötelnimpfung wird als Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln durchgeführt, die nach einer Studie des Robert Koch Instituts in 15,2 % zu Nebenwirkungen führt. Die Studie ermittelte Nebenwirkungen anhand eines standardisierten, computergestützen ärztliches Interview mit einem Elternteil des geimpften Kindes. Dabei wurden bei befragten Eltern in erste Linie Fieber genannt.

Mit einer Impfrate von 95 % für eine einfache Rötelnimpfung könnte die Rötelnerkrankung eliminiert werden. In Deutschland konnten 1998 nur bei 0,8 – 3% einer Stichprobe bei 18- bis 30-jährigen Frauen keine Antikörper nachgewiesen werden. Die Zahl der gemeldeten Rötelnerkrankungen ist in Deutschland gering, wobei von einer Dunkelziffer ausgegangen werden muss, unter anderen weil in den neuen Bundesländern keine Meldepflicht besteht. 2009 wurden 2 Fälle gemeldet, 2008 einer und 2007 kein Fall.

Risiken und Nebenwirkungen der MMR-Impfung

Dokumentierte Nebenwirkungen der MMR-Impfung, die innerhalb von 1-3 Tagen nach der Impfung auftreten, sind Schmerzen an und Rötungen, bzw. Schwellungen  der Impfstelle bzw. der zugehörigen Lymphknoten, leichtes bis mäßiges Fieber, Kopfschmerzen, Mattigkeitsgefühl, allgemeines Unwohlsein oder Beeinträchtigung des Magen-Darm-Bereiches. Nach einer bis vier Wochen nach der Impfung können Fieber mit maserähnlichem Ausschlag auftreten, leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüse, Gelenkbeschwerden. Nur selten treten Hodenschwellungen oder Reaktionen der Bauspeicheldrüse auf. Längerfristige Gelenkentzündungen treten sehr selten auf. Anaphylaktische Schocks auf Basis der Inhaltsstoffe des Impfstoffes oder Hautblutungen werden nur in Einzelfällen beobachtet.

Eine ärztliche Beratung ist vor jeder Impfung empfehlenswert, da es durchaus Personengruppen gibt, die nicht geimpft werden sollten (Menschen mit Abwehrschwächen, akuten Infektionskrankheiten, etc.). Ein Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung mit Autismus ist nicht gesichert. Die Nebenwirkungen der Impfung  muss man mit den möglichen Komplikationen bei einer Masern-Erkrankung oder den Schäden des Ungeborenen, wenn die Mutter an Röteln erkrankt, vergleichen, um eine Risikoabwägung vorzunehmen.

Die Masern-Erkrankung

Im Gegensatz zum üblicherweise milden Verlauf einer Rötelnerkrankung kann eine Masern-Erkrankung schwere Komplikationen nach sich ziehen.

Die Symptome der Masern sind Fieber, Konjunktivitis, Schnupfen, Husten, ein Enanthem an der Mundschleimhaut und das Masernexanthem (bräunlich-rosafarbene zusammenfließende Flecken auf der Haut) im Gesicht und hinter den Ohren. Eine Masernerkrankung hinterlässt lebenslange Immunität.

Als Konsequenz einer im Anschluss bestehenden Immunschwäche von circa 6 Wochen, kann vorübergehend eine erhöhte Empfänglichkeit für bakterielle Infektionen bestehen (Otitis media, Bronchitis, Pneumonie, Diarrhöen). Eine schwere Komplikation ist die akute postinfektiöse Enzephalitis, die in etwa 0,1% der Fälle aufritt - mit Kopfschmerzen, Fieber und Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma. Bei etwa 10-20% der betroffenen Masernerkrankten endet sie tödlich; bei circa 20-30% muss mit bleibenden Schäden am Zentralen Nervensystem (ZNS) gerechnet werden.

Eine sehr seltene Spätkomplikation, die erst durchschnittlich 6 – 8 Jahre nach der Infektion auftritt, ist die subakute sklerosierende Panenzephalitis (mit circa 4–11 Fällen pro 100.000 Masernerkrankungen), wobei bei Kindern unter fünf Jahren ein höheres Risiko besteht (geschätzt etwa 20–60 Fälle pro 100.000 Masernerkrankungen). Der progressive Krankheitsverlauf bis zum Verlust zerebraler Funktionen führt zum Tod.

Bei immunsupprimierten Menschen kann eine Masernerkrankung zu einer Riesenzellpneumonie oder einer Masern-Einschlusskörper-Enzephalities führen, die in 30% der Fälle tödlich verläuft.

Nach Veröffentlichungen der WHO ist die Zahl der gemeldeten Masernfälle im Bereich der WHO Europa von 7073 Fällen in 2007 auf 31685 in 2013 gestiegen. Die Sterblichkeit an Masern beträgt heutzutage in den Industrieländern noch etwa 1 bis 3 Personen auf 10 000 Erkrankte.

Impfen oder nicht impfen

Hilfestellung bei der Entscheidung, ob ein Kind geimpft oder nicht geimpft werden soll, bieten die Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung und die Krankenkassen. Neben der Einzelfallentscheidung der Eltern ist es ebenfalls eine gesellschaftliche Entscheidung über die Impfpflicht erforderlich. Auch Nicht-geimpfte profitieren von der Impfung anderer, wenn infektiöse Krankheiten durch eine hohe Impfrate zurückgedrängt oder gar eliminiert werden. Nicht zu vergessen sind die von der Allgemeinheit zu tragenden Folgekosten schwerer Erkrankungen.

Quellen:

  • Impfnebenwirkungen bei Kindern und Jugendlichen. Ergebnisse des Kinder und Jugendgesundheitssurveys, Teil 1: Deskriptive Analysen, C. Poethko-Müller, K. Atzpodien, R. Schmitz, M. Schlaud, Abteilung für Epidemiologie und Gesundheitsberichterstattung, Fachgebiet Kinder und Jugendgesundheit, Prävention, Robert Koch Institut, Berlin, Bundesgesundheitsblatt 2011, Nr. 54357-364, online 23.02.1022, Axel-Springer Verlag 2011
  • Epidermiologisches Bulletin, Robert Koch Institut, 16. August 2010 / Nr. 32
  • Webseite des RIK, Masern, RKI-Ratgeber für Ärzte (rki.de/DE/Content/Infekt/EpidBull/Merkblaetter/Ratgeber_Masern.html#doc2374536bodyText7)
  • World Health Organization Regional Office for Europe, WHO EpiBrief and WHO EpiData (euro.who.int/en/health-topics/communicable-diseases/measles-and-rubella/data-and-statistics)
  • Bundesamt für Gesundheit, Schweiz (bag.admin.ch/themen/medizin/00682/00684/01087/index.html?lang=de)

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