Skandal um das Polizeilabor im US-amerikanischen Boston

Eine Laborantin im Hinton State Laboratory Institute, die für die Durchführung von Drogentests verantwortlich war, hat über Jahre Ergebnisse gefälscht und bei ihrer Arbeit gepfuscht – ein Alptraum für Justiz und Polizei, da nun zahlreiche Verurteilungen bei Drogendelikten in Frage gestellt werden und bereits Verurteilte auf freien Fuß gesetzt werden müssen.

Skandal im Laboratorium

Die Aufgabe von Annie Dookhan war die die Analyse von durch die Polizei sichergestellten Drogen sowie die Kalibrierung der verwendeten Analysegeräte. Frau Dookhan galt als sehr fleißig, da sie monatlich deutlich mehr Proben analysierte als Kollegen mit vergleichbaren Aufgabenbereichen.

Als sie schließlich bei der nicht-autorisierten Entsorgung von Proben erwischt wurde, stellte sich heraus, dass sie bei vielen Untersuchungen gepfuscht und betrogen hatte. So hat sie zum Beispiel nur einen Teil der Proben untersucht, bei anderen die Ergebnisse verfälscht. Dies stellt nicht nur die Verurteilung von Straftätern in Frage, die aufgrund von unmittelbar durch Annie Dookhan durchgeführten Untersuchungen verurteilt wurden. Durch ihre übergreifende Funktion in der Gerätekalibrierung können auch alle Ergebnisse, die auf diesen Geräten ermittelt wurden, in Frage gestellt werden.

Zwischen 2003 und 2012 hat Frau Dookhan an insgesamt 34.000 Fällen gearbeitet. Aufgrund der bekannt gewordenen Missstände wurden bereits zahlreiche einsitzende Verurteile entlassen. Die Polizeibehörden bereiten Maßnahmen für den Umgang mit weiteren Entlassungen vor.

Qualität in der forensischen Laborarbeit

Der Skandal weist auf generelle Missstände in forensischen Laboren hin, die aufgrund der technologischen Entwicklung und der Veränderung der Polizeiarbeit mit einer steigenden Zahl von Proben konfrontiert werden. Lange Wartezeiten bei forensischen Analysen, wie zum Beispiel bei DNA-Spuren, sind auch in Deutschland keine Ausnahme.

Darüber hinaus beeinflussen Fernsehsendungen wie “CSI Las Vegas“ die Erwartungshaltung der Gesellschaft. Schon im April 2010 hat das britische Magazin „The Economist“ berichtet, wie kriminaltechnisch fokussierte Sendungen auch das Verhalten von Geschworenen, Richtern und Anwälten in den USA verändern. Man kann davon ausgehen, dass dies nicht nur in den USA der Fall ist.

Gleichzeitig sind Juristen meist nicht in der Interpretation der Ergebnisse erfahren oder geschult, insbesondere der Aussagen von Wahrscheinlichkeiten bei DNA-Spuren. In Italien haben die Ereignisse um die Verurteilung von Amanda Knox im Mordfall Meredith Kercher dazu geführt, dass ein Umdenken der Juristen im professionellen Umgang mit DNA-Spuren stattfindet.

Im Januar 2012 räumte „The Economist“ desweiteren mit der Illusion auf, dass forensische Untersuchungen notwendigerweise objektiv sind. Labormitarbeiter, die Spuren untersuchen, erhalten Informationen über Fälle und Verdächtige. Diese Informationen können unbewusst die Interpretation von Daten beeinflussen. Dies zeigen wissenschaftliche Untersuchungen von Itiel Dror (University College, London) und Greg Hampikian (Boise State University, Idaho).

Qualitätssicherung im Labor

In Deutschland müssen Labore, die DNA Vaterschaftstests durchführen, nach DIN EN ISO/IEC 17025 aufgrund gesetzlicher Vorgaben akkreditiert sein, um ein höchstes Maß an Qualität sicherzustellen. Dies ist insbesondere für die in der Regel kleinen, spezialisierten DNA-Labore mit hohem Aufwand verbunden.

Aber auch ein umfangreiches Qualitätsmanagementsystem oder eine weitergehende Akkreditierung schützt in großen Laboratorien kaum vor fahrlässigen oder mutwilligen Fehlern. Dies hat bereits der Skandal in den Universitätskliniken von Göttingen und Regensburg bei der Vergabe von Spenderorganen gezeigt.

Quellen:
- The Boston Globe, bostonglobe.com
- International Conference, The hidden side of DNA profiles, Università Cattolica del Sacro Cuore, Rom, 27.-28.04.2012
- The Economist, www. Economist.com, “Ignorance is Bliss” (21.01.2012) und “The “CSI effect”” (22.04.2010)

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