Wie viele Kuckuckskinder gibt es tatsächlich?

Vaterschaftsanalytik bedient sich der Variabilität sogenannter Short-Tandem-Repeats (STRs), also bestimmter Bereiche der DNA, die keine Gene sind (also keine Merkmale der Person kodierenden) und in denen eine bestimmte kurze DNA-Sequenz in Wiederholungen auftritt. STRs sind sehr stabil mendelnde genetische Merkmale, d.h. ein entsprechendes STR-Merkmal (Allel) wird unverändert durch die Generationen weitergegeben. 22 dieser STR-Bereiche werden in einer modernen Vaterschaftsdiagnostik im gegenwärtig modernsten Verfahren ausgelesen und ergeben ein exorbitant zuverlässiges Ergebnis.

Besonders konservativ, also stabil und unverändert weitergegeben werden die STRs des Y-Chromosoms. Weil Y-Chromosomen nur über die männliche Linie tradiert werden, kann man also das Y-Chromosom des Urgroßvaters anhand der spezifischen STRs unverändert im Urenkel wiederfinden, damit also die beiden als in direkter Linie miteinander verwandt identifizieren. Manch ein Fall von Vater-, bzw. Verwandtschaftsanalytik kann daher alternativ oder ergänzend per Y-Chromosomen-Untersuchung geklärt werden.

Diese Technik wurde nun in jüngerer Vergangenheit dazu herangezogen, eine alte humangenetisch-populationsgenetische Frage einer näheren Klärung zuzuführen, nämlich wie hoch die Rate der Kuckuckskinder, also denjenigen Kinder, deren biologischer Vater ein anderer Mann als ihr sozialer Vater ist, unter allen Kindern ist.

Was waren die ursprünglichen Annahmen?

In der Humangenetik gilt seit jeher, dass die Rate etwa 10% beträgt; jedes zehnte Kind wäre damit ein Kuckuckskind. Gang und gäbe ist dort auch: Falsche Vaterschaften lägen vornehmlich bei ersten und letzten Kindern vor; in einer Familie mit mindestens 3 Kindern stünden also das erste und dritte (oder letzte) Kind am stärksten im Verdacht, von einem anderen Mann als dem sozialen Vater zu stammen. Beim ersten Kind wäre dieser Umstand der seinerzeitigen Eheschließung aus einer sexuellen Findungsphase der Frau mit Kontakten zu mehreren Sexualpartnern heraus zuzuschreiben, beim letzten Kind vielleicht sexueller Langeweile oder dem Wunsch nach Durchbrechen bürgerlicher Konventionen. Doch an wissenschaftlich belastbaren Daten zu diesen Thesen mangelt es. Man war deshalb lange Zeit auf feste Überzeugungen angewiesen: „Experten schätzen, dass jedes zehnte Kind in Deutschland ein Kuckuckskind ist“ (Haas und Waldemeier, 2003). Diese Ansicht wurde anfänglich ausgerechnet besonders von amerikanischen und australischen Labors für Vaterschaftstests genährt, die bis zu 30% ihrer Fälle mit dem Nachweis eines anderen als dem rechtlich-sozialen Vater abschlossen. Solche Labors haben überall in der Welt nach wie vor hohe Vaterschaftsausschlusszahlen, so auch die bj-diagnostik GmbH; bei uns wird etwa in jedem vierten Fall ein Vaterschaftsausschluss, d.h. Vorliegen eines Kuckuckskindfalls, festgestellt.

Wie realitätsnah sind diese Zahlen?

Diese Zahlen stimmen, beziehen sich ja aber nicht auf eine willkürliche Stichprobe, sondern auf Fälle, mit denen die Institute beauftragt werden, weil bei ihnen sowieso schon ein Verdacht auf falsche Vaterschaft vorliegt, d.h. auf eine Kohorte, in denen das gesuchte Merkmal sozusagen, und wohl auch erheblich, angereichert ist. Trotzdem halten sich die ursprünglich hohen Zahlen hartnäckig. In Wahrheit dürfte der statistische Anteil falscher Vaterschaften deshalb (wohl weit) unter den bei Vaterschaftsbestimmungen gemachten Zahlen liegen. Das stimmt in der Zusammenfassung aller zu diesem Thema gemachten wissenschaftlichen Studien der letzten Jahrzehnte im Großen und Ganzen auch. Gemäß einer britischen Studie (Mark Bellis, 2005) sind etwa 4% Kuckuckskinder. Mit Blut und anderen Indikatoren gab es bis 1986 neun nennenswerte Studien, in denen die ermittelten Werte zwischen 2,3% und 10,1% schwankten, mit dem Ausreißer von 18% für eine Kohorte von 67 Vaterschaftstests. Falsche Vaterschaften, die bei Reihenuntersuchungen nach Krankheiten zutage traten, wurden danach zunehmend mit DNA-Methoden als Nebenergebnis ermittelt (Hämophilie B, Zystische Fibrose, Knochenmarkspenden, Multiple Sklerose). In diesen Studien schwankten die Werte zwischen 0,8 und 4% (mit einem Ausreißer von 1999 mit 11,8 % aus Mexico, der wiederum mit Blutmarkern gemacht wurde).

Neue Erkenntnisse durch Y-chromosomale Analysen

Danach brach endgültig die Zeit der DNA-basierten Tests an und mit Ihnen die Möglichkeit, relativ einfach Verwandtschaften auf unterster Vererbungsebene verfolgen zu können. Die Studien der letzten Jahre beruhen auf den Y-Chromosom-basierten Gesetzmäßigkeiten, die oben beschrieben sind. Vielfachcousins weisen sich durch die Identität ihrer Y-Chromosomen als Nachfahren desselben Stammvaters von vor langer Zeit aus. Wegen des paternalen Namensrechts hat man bei vielgenerationigen großen Stammbäumen eine große Anzahl von Vielfachgroßcousins, die alle den gleichen Familiennamen haben und – über die gleichen Y-Chromosomen verfügen, es sei denn, unter ihre biologischen männlichen Vorfahren hätte sich ein Kuckuckskind eingeschlichen. Findet man unter den (bei Annahme von zwei Söhnen pro männlichem Nachkommen) 64 Cousins der sechsten Generation also zwei Probanden, deren Y-Chromosomencharakteristik von der der anderen 62 abweicht, so bedeutet das eine Kuckuckskindrate von 2/64 = 3,1%. Bei solchermaßen angelegten (bisher allerdings noch wenigen) Studien aus verschieden Erdteilen wurden Kuckuckskindraten von geringen 1 – 2 % gefunden.

Der experimentelle Ansatz ist überzeugend und dürfte wegen der stringenten Ergebnisse wohl der Wahrheit nahekommen, insofern also auch einer Ehrenrettung der mit den hohen ursprünglichen Zahlen stigmatisierten Frauen gleichkommen. Gleichwohl ist es natürlich Statistik und kann deshalb nicht über den Einzelfall entscheiden. Wer sich als Mann im Unklaren über die Abstammung seiner Nachkommenschaft ist, kommt um einen Vaterschaftstest nicht herum.

Alle Informationen und Referenzen entstammen diesem Artikel von Larmuseau et al. in der Zeitschrift „Trends in Ecology & Evolution“.

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